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Recyclingpapier 1

Recyclingpapier 2

Ökobilanz 1

Ökobilanz 2

Zertifiziertes Papier

Rahmenbedingungen

Warum ist eine allgemeingültige Aussage mittels Ökobilanz beim Vergleich von Recyclingpapier und Frischfaserpapier nicht möglich?

 

Eine Ökobilanz ist keine im streng genommenen Sinne wissenschaftliche Methode. Also keine Methode, wo eine Versuchsanordnung erstellt wird, ein Messverfahren festgelegt wird und dann ein Resultat gemessen wird. In einer dieser Art beschriebenen Versuchsanlage würde man die Inputfaktoren ändern und sehen, wie sich die Outputgrössen ändern und den Kausalzusammenhang beschreiben. Wobei - je nach Fachbereich - sich auch schon der Vorgang der Messung an sich als Beeinflussung des Resultats darstellen könnte. Aber das ist wohl eher ein Thema für die Teilchenforschung in der Quantenphysik und würde hier zu weit führen....

 

Eine Ökobilanz ist auch deshalb keine solcherart wie oben beschriebene Versuchsanlage, weil auf dem Wege zur Resultatdarstellung Bewertungen vorgenommen werden. Und Bewertungen sind immer subjektiv und nie objektiv, bzw. immer in Relation zu einem bestimmten Ziel. Eine Fragestellung in diesem Sinne wäre: Sind 3 Kilogramm Quecksilberemissionen in die Luft "schlimmer" oder "weniger schlimm" als 3 Kilogramm polyzyklische aromatische Kohlewasserstoffe, welche als Emission im Wasser ausgestossen werden? Oder ist ein Kilogramm AOX "schlimmer" oder "weniger schlimm" als ein Kilogramm Toluol, das bei der Produktion von Papier ausgestossen wird. Und das "schlimm" oder "weniger schlimm" würde sich dann auf den (Neudeutsch) "impact" für bestimmte Zielgruppen definieren. Die Zielgruppe kann ein Teil oder das Ganze sein, also die Pflanzenwelt, die Tierwelt, allein der Mensch oder die ganze Biosphäre generell. Die Antwort auf die Frage ist dann eben die Bewertung bzw. die bewertende Festlegung in bezug auf Mess- und Bewertungsmethode.

 

Daraus folgt:

 

  • Eine Ökobilanz gibt eine unterschiedliche Aussage, je nachdem welche Bewertungsmethode angewandt wurde.
  • Eine Ökobilanz gibt eine unterschiedliche Aussage, je nachdem wie weit der Bilanzierungskreis gesteckt wurde und welche Daten sich in der Inventur befinden. Wurden nur die Emissionsfaktoren aus der engeren Produktion einer Papierfabrik in der Schweiz einbezogen (die sogenannte Kernbilanz), oder wurde der Benzinverbrauch des Lastwagens, welcher die Bäume aus dem Wald in die Zellstofffabrik in Brasilien gebracht hat, welche wiederum den Zellstoff an die Schweizer Fabrik verkauft hat, was wiederum dazu führt, dass auch die Emissionen dieser Zellstofffabrik einbezogen werden müssen, auch einbezogen?
  • Eine Ökobilanz gibt eine unterschiedliche Aussage, je nachdem welche Daten in die Berechnung einbezogen werden. Was ist, wenn zwar mit CO2, NOX, AOX, aber nicht mit NO3 gerechnet wird? Und was ist, wenn es irgend ein Molekül gibt, das in kleinen Mengen beim Prozess ensteht, das hochtoxisch ist, dessen Namen wir hier vielleicht nicht einmal kennen, das sich erst über lange Zeit in der Nahrungskette akkumuliert, aber leider nicht gemessen worden ist und daher auch nicht in den Datenkranz einbezogen worden ist? Es leuchtet an, dass das Resultat sehr unterschiedlich ausfallen kann.
  • Eine Ökobilanz gibt eine unterschiedliche Aussage, je nachdem welche Daten in der Inventur berücksichtigt werden. Denn es spielt eine Rolle, ob ein Durchschnittswert aus einem Datenkranz von 100 Fabriken genommen wird, in dem sowohl die Dreckschleuder mit 80jährigen Anlagen als auch der Superperformer mit der neusten Technologie und einer 3jährigen Anlage enthalten ist. Man könnte ja genausogut nur die drei besten Fabriken weltweit nehmen und mit diesen Daten rechnen. Was dann?
  • Für welchen Zweck wurde die Ökobilanz erstellt? Geht es darum, eine Aussage über die Verbesserung einer ganz bestimmten Produktionsanlage über einen Zeitraum zu machen, oder geht es darum, ein Papier mit einer Kunststofffolie zu vergleichen? Man kann sehr wohl Ökobilanzen für ein Wohnmobil und für einen Ferrari erstellen. Wobei zu vermuten ist, dass das Wohnmobil nicht für Rennfahrten eingesetzt wird und  der Ferrari nicht das geeignete Vehikel ist, einen dreiwöchigen Ferienurlaub mit der Familien zu verbringen. Also was nützt der Ökobilanzvergleich von Wohnmobil und Ferrari, wenn ich nur in die Ferien gehen will?

Schlussfolgerung:

Aus den beschriebenen Gründen kann eine allgemeingültige Antwort nicht gegeben werden. Obwohl wir immer wieder solche Anfragen erhalten, können und wollen wir keine Empfehlung für ein bestimmtes Papier abgeben.

 

Die Aufgabe der Papierindustrie - des Verbandes und seiner Mitglieder - kann es daher nur sein, Ihnen die messbaren Fakten zur Verfügung zu stellen; die Bewertung findet aber auf einer ganz anderen Ebene statt.

 

Wir möchten, dass derjenige, der eine solche Aussage machen möchte, auch offenlegen muss, welche Daten er genommen hat  (und warum genau diese und nicht andere), und mit welcher Methode er bewertet hat. Und wir möchten, dass er auch kommunizieren muss, mit welcher Absicht er eine solche Ökobilanz erstellt hat, m.a.W. wozu sie dienen soll.

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