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Recyclingpapier 1

Recyclingpapier 2

Ökobilanz 1

Ökobilanz 2

Zertifiziertes Papier

Rahmenbedingungen

Ist zertifiziertes Papier besser als nicht zertifiziertes Papier?

 

Im Moment wird von Umweltkreisen gerade wieder einmal eine Kampagne gegen Toiletten- und Haushaltpapiere gefahren. Im Schussfeld stehen die grossen internationalen Konzerne, welche solche Papier weltweit herstellen und vermarkten. Wie man bemerkt, geht es den Umweltorganisationen nicht darum, den Gebrauch von solchen Papieren zu verhindern (eine Alternative haben sie zumindest bisher nicht vorschlagen können), sondern es geht ihnen darum, diejenigen Papiere schlecht zu reden, welche kein FSC Label haben und diejenigen Papiere gutzureden, die ein FSC Label haben. Mit anderen Worten: die Träger des Umweltlabels machen also Marketing für gelabelte Produkte; sie helfen damit den Herstellern dieser Produkte. Clevere Unternehmer haben dies erkannt und nutzen das auch.

 

Warum aber unterstützen die Umweltgruppierungen Hersteller, welche das Label für diese Produkte verwenden?

 

Sie machen es, weil sie mit Hilfe informierter Konsumenten das Bessere unterstützen und das weniger Gute ächten wollen.

 

Hier eine Aussage vorweg: Eine Umweltgruppierung braucht IMMER eine Kampagne. Ohne Kampagne keine Aufmerksamkeit, ohne Aufmerksamkeit keine Spenden, ohne Spenden und Mitgliederbeiträge kein Geld, ohne Geld keine Umweltorganisation. Und - fairerweise muss man das auch noch sagen - ohne Umweltorganisation keine Kontrolle derjenigen Schmutzfinken, die es leider in Einzelfällen immer und überall gibt.

 

Die Schlussfolgerung aus dieser Erkenntnis ist aber auch klar: Man kann gegen eine Umweltorganisation NIE gewinnen, bzw. man kann sie NIE überzeugen dass man es richtig macht. Denn wenn man dies könnte, dann müsste sie ja die Kampagne einstellen, weil alles gut ist. Aber dann sind wir wieder bei der Sequenz "keine Kampagne, keine Aufmerksamkeit. Keine Aufmerksamkeit, keine Spenden. Keine Spenden, keine Umweltorgansation" - Sie kennen das jetzt!

 

Die zweite Erkenntnis ist die: Man muss es mit Geduld ertragen, dass man hin und wieder Zielscheibe wird. Und es ist auch nicht falsch, wenn durch diese Kampagnen langfristig verhindert wird, dass beispielsweise ein russisches Zellstoffkombinat den Baikalsee verpestet, während europäische Zellstofffabriken schon längst mit state-of-the-art Technologie betrieben werden und keine Umweltgefährdung darstellen. Die Kampagne nützt eben immer nur dort, wo die Konsumenten sitzen - und nicht bei den Wölfen in der Taiga!

 

Die derzeitige Kampagne also geht unter dem Titel "Ganze Wälder landen im WC". Das tönt so, als ob man verhindern wollte, dass ganze Wälder in der WC-Schüssel landen. Nein, darum geht es natürlich nicht! Wenn FSC gelabelte Wälder im WC landen, ist das offenbar besser, als wenn nicht gelabelte Wälder im WC landen. Denn Letzteres sei schlecht, sagen die Campaigner.

 

Wenn wir die Angelegenheit sachlich betrachten, können wir davon ausgehen, dass das nicht prinzipiell so ist. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Wälder in der Schweiz und auch in den meisten Ländern Europas ohnehin strengen gesetzlichen Bewirtschaftungsauflagen und Naturschutzgesetzen unterliegen, ist die Qualität der Waldbewirtschaftung und damit des Holzes, das von dort kommt, sicher gut. Die Ressource ist m.a.W. heute schon nachhaltig und umweltverträglich bewirtschaftet - insbesondere für die Schweiz gilt das. Ein Label ändert daran nichts, bzw. macht unsere Ressource nicht besser und nicht nachhaltiger. Nicht so ist es natürlich dort, wo Raubbau betrieben wird. Und selbstverständlich sind wir auch gegen unkontrolliertes Abholzen, wo immer das auch sei.

 

Wenn man es so betrachtet, dann könnte man sagen, es ist eher so, dass die einheimischen Ressourcen mit dem Label einfach nachziehen müssen, damit sie nicht in einen Wettbewerbsnachteil gegenüber denjenigen Herstellern geraten, die in den umstrittenen Gebieten den Schritt vom Umweltzerstörer zum nachhaltigen Bewirtschafter gemacht haben. Die konkrete Folge also ist, dass die überwiegende Mehrheit hier etwas nachvollziehen muss, obwohl das Konzept nicht für uns, sondern für Drittweltländer konzipiert wurde.

 

Nebst der Frage der Labelung von Frischfasern (siehe dazu Waldzertifizierung) wird nun das Thema zusätzlich vermischt mit der Frage nach Altpapier. Die derzeitige Kampagne sagt, dass nur 10 % der WC- und Haushaltpapiere aus Altpapier seien. Diese Aussage bezieht sich offenbar auf den Konsum und nicht die Produktion (sh. dazu wiederum die Ausführungen unter Recyclingpapier).

 

WWF weiss hier offenbar mehr als wir, denn wir können gar nicht sagen, welche Zusammensetzung das importierte Papier hat. Was wir jedoch wissen ist, dass der eine Schweizer Hersteller solcher Papiere zu 100% Altpapier einsetzt und der zweite Schweizer Hersteller solcher Papiere 68% Altpapier einsetzt.

 

Bei hochwertigen Tissuepapieren kann ferner der Anteil von Altpapier aus technischen Gründen nicht mehr gesteigert werden, weil sonst die Reissfestigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Die Reissfestigkeit kann nur durch langfasrige Zellstofffibrillen erreicht werden.

 

Und damit sind wir wieder bei unserem Lieblingsthema: Ökologie ist zwar wichtig, aber nicht alles. Funktionalität ist genau so wichtig. Oder wer will schon, dass im entscheidenden Moment (!) das Toilettenpapier nicht genügend reissfest ist?

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