Home

Zellstoff

Geschichte des Papiers

Formation

Geschichte der Papier- und Kartonherstellung
mit besonderer Berücksichtigung der Schweizer Papierindustrie im 20. Jahrhundert
105 v.Chr.
Tsai Lun aus Gue Yang in der Provinz Hunan berichtet dem Kaiser von China Ho Ti über seine Erfindung des Papiers. Er stellte dieses aus Baumrinde, Hanf, Lumpen und Fischnetzen her.
1. – 14. Jh.
Die Papiermacherkunst wird überliefert und fasst Fuss in Japan, im Mittleren Osten, in Ägypten und ab dem 11. Jahrhundert in Spanien und Italien. Alle Papiere werden aus Hanf, Flachs, Baumwolle (Hadern), Chinaschilf und generell aus Stoffresten hergestellt (handgeschöpft).
1390/91
gründet Ulman Stromer in der Gleissmühle in Nürnberg die erste Papiermühle in Deutschland.
1411
entstand in Marly, heutiger Kanton Freiburg, die erste Papiermühle der Schweiz.
1428
erteilt Herzog Adolf von Cleve dem Kaufmann Wilhelm Boye in Nijmegen, das Recht zur Erbauung einer Papiermühle in Gennep. Es handelt sich um die erste Papiermühle in den Niederlanden.
1495
wird John Tate der Jüngere aus Hertfordshire als erster Besitzer einer englischen Papiermühle erwähnt.
15/16. Jh.
Überall in Europa entstehen Papiermühlen. Papier wird zu dieser Zeit hauptsächlich von Goldschmieden und Apothekern (!) vertrieben, weil es so wertvoll ist. 1436 bis 1444 unternimmt Gutenberg verschiedene Druckversuche in Strassburg. 1444/46 macht der Goldschmied Prokop Waldvogel aus Prag, Bürger von Luzern, in Avignon Druckversuche. 1450 schliesst Gutenberg mit dem Mainzer Bürger Fust einen Vertrag zur Herstellung einer gedruckten Bibel ab.
1680
In Holland werden erstmals Malgeschirre zur Verfeinerung des Faserstoffs (sog. Holländer) verwendet.
1684
beschäftigt Edward Lloyd sich mit dem Versuch, Papier aus Asbest herzustellen.
1719
macht der französische Forscher und Zoologe René Antoine Réaumur darauf aufmerksam, dass Wespen ihre Nester aus einer Papierähnlichen Substanz auf der Basis von Holz herstellen. „Die amerikanischen Wespen bilden ein sehr feines Papier, ähnlich dem unsrigen. Sie lehren uns, dass es möglich ist, Papier aus Pflanzenfasern herzustellen, ohne Hadern oder Leinen zu gebrauchen; sie scheinen uns geradezu aufzufordern zu versuchen, ebenfalls ein feines und gutes Papier aus gewissen Hölzern herzustellen. Wenn wir Holzarten ähnlich denen besässen, welche die amerikanischen Wespen zu ihrer Papierherstellung benutzen, so könnten wird das weisseste Papier herstellen.“
1727
veröffentlicht Franz Ernst Brückmann, Arzt und Naturforscher aus Braunschweig seine „Historia naturalis“, in der er vom Asbestpapier spricht. Vier Exemplare des Werkes sind auf Asbestpapier gedruckt
1765
Jacob Christian Schäffer, Geistlicher und Botaniker in Regensburg, veröffentlicht sein erstes Werk über die Herstellung von Papier aus pflanzlichen Stoffen
1774
legt Justus Claproth mit seiner Schrift „Eine Erfindung aus gedruckten Papier wiederum neues Papier zu machen“ die Grundlagen für die Altpapierverwertung.
1799
stellt Louis Nicolas Robert (geb. 1761 in Paris) in der Papierfabrik Diderot in Essonnes die erste Maschine zur Herstellung langer Papierbahnen her. Das Fabrikationsprinzip ist simpel: Aus einer Wanne, welche mit der Papiermasse gefüllt ist, wird durch ein Rundsieb aus Metallfäden die Papiermasse abgenommen. Das Papier kann bereits auf dem löchrigen Sieb teilweise entwässert werden. Das Endlosblatt wird dann an einen Presszylinder übergeben.
1800
verkauft Louis Robert seine patentierte Erfindung einer Papiermaschine dem berühmten Buchdrucker Didot in Paris.
1803 – 06
Didot und sein englischer Schwager John Gamble erhalten zusätzlich ein englisches Patent und treten ihre Rechte an die beiden Londoner Papierhändler Henry und Sealy Fourdrinier ab. Die englische Maschinenfabrik Hall in Dartford, Kent baut unter Anleitung von Bryan Donkin die ersten Papiermaschinen.
1821
T.B. Crompton aus Manchester erfindet den Trockenzylinder mit Filz und eine Querschneidevorrichtung für Papier.
1836
kauft die Zürcher Mechanische Papierfabrik an der Sihl die erste Papiermaschine von der englischen Maschinenfabrik Bryan Donkin & Co.
1841
die Maschinenfabrik Escher Wyss baut Papiermaschinen und sucht einen geeigneten Standort in der Schweiz.
1843/44
gelingt es dem sächsischen Webermeister Friedrich Gottlob Keller aus Hainichen, mit Hilfe eines Schleifsteins unter Zusatz von Wasser, aus Holz einen Brei herzustellen, der zur Papierherstellung geeignet ist (Holzschliff).
1854
gelingt es dem Franzosen M.A.C. Mellier aus Paris, Stroh mittels Natronlauge und unter Dampfdruck aufzuschlüsseln und Zellstoff zu gewinnen.
1859-62
erhält Escher Wyss von der Regierung des Kantons Solothur die Konzession für den Bau des Emmenkanals in Biberist. 1862 wird die Papierfabrik Biberist gegründet, welche 1865 mit zwei Papiermaschinen den Betrieb aufnimmt.
1863
meldet B.C. Tilgham das Patent für die Zellstoffherstellung mit Kalziumbisulfit an.
1872
gelingt es dem schwedischen Ingenieur C.D.Ekman aus Bergvik unter Verwendung von Magnesiumbisulfit als Kochsäure Sulfitzellstoff aus Holz herzustellen. Der Chemiker Alexander Mitscherlich aus Münden entwickelt das Kalziumbisulfitverfahren. Unter Druck und durch Kochen werden die Inkrusten des Holzes (Lignin und Hemicellulosen) aufgelöst und die Cellulosefasern freigelegt.
1881
stellt die schweizerische Holzstoff-Fabrik Attisholz den ersten Versuchskocher für die Zellstoffherstellung auf. Ab 1888 wird in Attisholz industriell gebleichter Zellstoff produziert.
1884
entwickelt der Ingenieur C.F. Dahl mittels Natriumsulfat das Verfahren zur Herstellung von Sulfatzellstoff.
1899
Der Verein der Schweizerischen Papier- und Papierstoff-Fabrikanten wird gegründet.
1902
wurde der Schweizer Papierindustrie mit der Revision des Zollgesetzes der langersehnte Einfuhrschutz gewährt
1908
wurde mit den allgemeinen Verkaufsbedingungen schweizerischer Papierfabriken und der gleichzeitigen Festlegung von Minimalpreisen der Grundstein für das lange Jahre haltende Kartell gelegt.
1915
Der 1. Weltkrieg hatte eine Verknappung der Rohstoffe zur Folge, insbesondere Holz wurde primär zur Energiegewinnung eingesetzt. Es wurde deshalb die HESPA, Holzeinkaufsstelle schweizerischer Papier- und Papierstoff-Fabrikaten gegründet.
1915
baut die englische Maschinenfabrik Walmsley Ltd. aus Bury den Rundschneider, der eine bedeutende Steigerung der Papierherstellung erlaubt.
1917
wurde die ganze Papierversorgung der Kontrolle des Bundes unterstellt. Es wurden maximal zulässige Höchstpreise für die Papiersorten festgelegt und es bestand ein Lieferzwang an bestimmte Abnehmer.
1918
wurde die EIKA, Einkaufsstelle der papierverarbeitenden Industrien der Schweiz, eine Organisation der Abnehmer (Verleger, Drucker) gegründet. Gleichzeitig erwarb die EIKA die Papierfabriken Zwingen und Netstal.
1919
Als Gegenreaktion zur Outsidergruppe EIKA gründeten die Verbandsmitglieder die PAPYRUS, Verkaufsstelle schweizerischer Papierfabriken. Über Jahrzehnte erfolgte der Verkauf praktisch aller Papierfabriken über die PAPYRUS.
1929ff.
Als Folge der Wirtschaftskrise geriet die Schweizer Papierindustrie in eine Absatzkrise. 1932 verfügte der Bundesrat bei gewissen Tarifpositionen Importbeschränkungen. 1936 wurde der Schweizer Franken abgewertet, was zusätzliche Erleichterungen im Export verschaffte.
1939-1945
am 7. Oktober 1939 wurde im Rahmen der kriegswirtschaftlichen Massnahmen das Schweizerische Papiersyndikat gegründet. Im Syndikat waren Hersteller und Verarbeiter paritätisch vertreten. Die Genossenschaft kümmerte sich um die Beschaffung der Roh- und Hilfsstoffe, koordinierte die Produktion, legte die Preise fest und verteilte die Papierkontigente. Präsident des Syndikates war unter anderen Ernst Rietmann, Direktor der NZZ.
1950ff.
Die Schweizer Papierindustrie profitiert vom Aufschwung und steigert Schritt für Schritt ihre Produktion. Sie fürchtet allerdings den wachsenden Importdruck und setzt sich gegen die Freihandelsverträge im Rahmen der EFTA zur Wehr – erfolglos. Die Liberalisierung hat einen Investitions- und Produktivitätsschub zur Folge.
1970ff.
Der Verband beschäftigt sich massgeblich mit Zollfragen. Im Rahmen der Abkommen mit der EWG werden die Zölle schrittweise gesenkt und ab 1984 vollständig abgeschafft. 1980 betrug der Anteil des Importes am gesamten inländischen Papier- und Kartonverbrauch rund 37%. Heute beträgt der Importanteil rund 62%.
1980ff.
Die Zollfragen werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Anstelle dessen befassen sich Verband und Mitgliederfirmen verstärkt mit Umweltfragen (Energiegewinnung, Reinhaltevorschriften für Luft und Wasser etc.)
1994
übernimmt die Geschäftstelle des Verbandes der Schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie die Mandate zur Führung der Geschäftstelle von anderen Verbänden aus der Papierkette (Papierhandel, Papier- und Kartonverarbeitung). Eine neue Ära der Interessenbündelung und Interessenvertretung beginnt.
1996ff.
Im Zuge der Internationalisierung der Papierwirtschaft finden immer mehr Schweizer Papierfabriken einen neuen Besitzer. Heute befinden sich rund zwei Drittel der grossen Betriebsstätten im Besitz von multinationalen Konzernen.
Home